Interview: Ingo Lippert
Vorbemerkungen von Lokalfunk.net:
Die MindMatics AG versteht sich als ein umfassender Provider für Mobile Services: Messaging & Payment, Applications, Content und Marketing. Sie hat in der Vergangenheit schon diverse Bluetooth Marketing Aktionen durchgeführt. Der Gesprächspartner ist Ingo Lippert, Mitgründer und CEO der MindMatics AG. Er verantwortet die Bereiche Produktentwicklung, Strategie und PR.
(Quelle: MindMatics Unternehmenswebseite)
Telefoninterview vom 27.06.2007 mit Ingo Lippert, MindMatics AG
Interviewreihe Bluetooth Marketing im Einsatz
Die MindMatics AG hat ja schon einige Bluetooth Marketing Aktionen durchgeführt. Welches Potential sehen Sie beim Marketing über Bluetooth oder auch über andere lokale Funktechnologien wie NFC oder WLAN?
Da sehen wir ein sehr großes Potential. Der Start war etwas verhalten, aber inzwischen ist es so, dass wir das Thema Bluetooth in jeder Mobile Marketing Kampagne zumindest pitchen und die Werbetreibenden greifen auch zunehmend auf dieses Medium zurück.
Halten Sie den Vertrieb von kostenpflichtigen Inhalten oder Produkten über Bluetooth Technologie für ein Geschäftsmodell?
Nein, ich halte dabei das Thema Kostenfreiheit doch für essentiell. Wenn ich etwas bezahlen möchte, dann möchte ich es überall abrufen können. Und muss mich nicht hin zu irgendeiner Säule bewegen, um dann etwas zu bezahlen.
Ich glaube, dass die Ansprache mit interessanten Inhalten die kostenfrei per Bluetooth übertragen werden, der richtige Weg ist.
Bei ihren bisher durchgeführten Aktionen, welche Erfahrungen haben sie in der Endnutzerakzeptanz gesammelt und wie stark wirkt sich dabei die teilweise negative Berichterstattung über die allgemeine Bluetooth-Sicherheit aus?
Es wurde von sehr sehr seltenen Fällen berichtet, wo Viren übertragen wurden. Ich glaube, die Bedenken sind beim Endkunden nicht vorhanden.
Das Thema des Einsatzes und der Akzeptanz von Bluetooth hängt sehr stark davon ab, wie oft Bluetooth eingeschaltet ist und unsere Erfahrung ist, dass das bei ungefähr 3-5 % der Kunden der Fall ist. Das ist ein sehr ordentlicher Wert.
Wir haben dass vor einem halben Jahr in einem Feldtest erhoben und unsere Erfahrung ist, wenn Bluetooth-fähige Handys erkannt und angepingt werden, dass dann ein Drittel bis ca. die Hälfte der Kunden, bei denen ein Ping erfolgreich auf dem Handy gelandet ist dann auch sagen: ich akzeptiere!
Das sind fantastische Werte für die werbetreibende Industrie.
Sind unterschiedliche, fehlerhafte oder per Software “entschärfte” Implementierungen von Bluetooth Standards dabei ein Problem, so z.B. bei Benq/Siemens, Vodafone oder Verizon in den USA?
Das ist ein Problem, wir haben da unsere Erfahrungen in den USA, wo es Handys gibt, die zwar Bluetooth enabled sind, die aber eigentlich nur für die Headset Nutzung freigeschaltet sind, aber ansonsten keine Bluetooth Funktionalität nutzen können. Das ist natürlich ein Problem, klar. Wenn sie mit dem Argument kommen: “das ist eine Bluetooth Technologie, die funktioniert auf allen Bluetooth - Endgeräten”, und es ist der Fall, dass sie dann doch Endgeräte haben, auf denen die Bluetooth-Zugänge gesperrt sind, haben sie da ein kleines Argumentationsproblem. Weil sie dann zu viel beim Werbetreibenden erzählen und viele Einschränkungen kommunizieren müssen, das ist immer ein bisschen problematisch.
Also allgemein würden sie sagen dass es eine erklärungsbedürftige Technologie ist?
Nein, ganz im Gegenteil, wer das einmal gemacht hat, empfindet es einfacher als SMS zu verschicken. Von der Akzeptanz und Erklärungsbedürftigkeit her ist es kein Problem.
Mit welchen Kampagnenformaten haben Sie gute Erfahrungen gemacht?
Beispiele wären Coupons, Gewinnspiele, Video/Audiotrailer, Podcasts,…
Podcasts gar nicht, in der Regel spielen wir auf Handys Java-Applikationen (Spiele oder Produktkataloge) und Videos, das sind die Hauptanwendungsgebiete.
In anderen Werbemedien gibt es den Tausender Kontaktpreis (TKP) als geeignete Messgröße, sehen sie das im BT Marketing auch als interessante Größe an oder gibt es andere, besser passende Größen?
Ich glaube, sie werden in diese Art von Abrechnungsmodellen kommen, wenn sie eine
flächendeckende Bluetooth Versorgung haben. Wo wir uns heute noch bewegen, sind ganz stark Projektpreise, die relativ unabhängig von der tatsächlichen Anzahl der abgerufenen Inhalte sind. Wenn sie aber bei einem Modell landen, wo Sie sagen: ich habe 1000 Plakate in Deutschland interaktiviert, und ihr könnt eure Botschaften von diesen Plakaten hin zu den Endnutzern schicken, dann können sie langsam in ein TKP Modell kommen. Derzeit sind sie noch mit Projektpreisen dabei.
Das heißt ein Kosten pro Download (CpD) ist aktuell also noch kein relevantes Abrechnungsmodell?
Nein, es geht im Wesentlichen darum: wie lange soll die Aktion dauern, an wie vielen Standorten soll sie durchgeführt werden und welche Inhalte sollen übertragen werden.
Die Contenterstellungskosten sind ein wesentlicher Kostentreiber: handelt es um ein sehr wertiges Spiel oder um ein einfaches Bild? Wie viel letztendlich runtergeladen wird, spielt da jetzt erstmal keine Rolle.
Zwei Fragen zur Technologie: ist das Bluetooth System, das sie einsetzen, eine Eigenentwicklung?
Teilweise, das heißt die Distribution der jeweiligen Contents läuft auf inhouse entwickelten Systemen, aber die Bluetooth Sender und -Technologie sind zugekauft.
Wenn sie von teilweiser Eigenentwicklung sprechen, sind dort in ihrem Unternehmen stetige Weiterentwicklungen geplant?
Wir werden wahrscheinlich noch stärker diesen Bereich outsourcen, weil das ein Bereich ist, wo sich spezialisierte Unternehmen doch besser in der Technologie auskennen als wir. Als Mindmatics können wir nicht auf allen Schauplätzen gleichzeitig sein, wir sind zwar sehr aktiv in der Vermarktung, Umsetzung und Projektierung dieser Technologie, aber in die eigentliche Technologieentwicklung wollen wir dann doch nicht so tief einsteigen.
Bezug nehmend auf das “Bluetooth Marketing Manifest” und die darin thematisierte Spam Problematik, würden Sie sagen, dass die die initiale Nachfrage, die Nutzer mit offener Bluetooth Schnittstelle im Sendebereich eines Bluetooth Senders erhalten, bereits als Spam zu bezeichnen ist?
Nein, das würde ich nicht als Spam betrachten. Meine Analogie ist, wenn sie durch die Grafinger Straße in München gehen und sie an einem Promoter vorbei laufen, der ihnen einen Zettel in die Hand drückt oder zumindest in ihren Weg hält, dann ist das ungefähr das Gleiche.
Jetzt ist die Frage: empfinden sie das als Belästigung? Ja oder Nein? Ich persönlich empfinde es nicht als Belästigung, vielleicht gibt es Leute die das so empfinden.
Wir haben den ein oder anderen, der einen solchen Ping auf das Handy bekommen hat, zu dieser Thematik befragt. Das Ergebnis war, dass es niemanden gestört hat.












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