Bluetooth Plakate, Fluch und Segen
May 8th, 2007
Im Jan. dieses Jahres wurde auf golem.de die Kooperation von Ströer und BlueCell Networks gemeldet und in einigen Blogs kommentiert. Dies ist meines Wissens in Deutschland der erste nennenswerte Deal eines großen Außenwerbers mit einem Bluetooth Marketing Unternehmen (Die Wall AG hat wohl ein eigenes System entwickelt, das schon seit Sept. 2006 am Start sein soll). Das ist ein Schritt nach vorn für BCN, denn Außenwerber sind schon aufgrund der riesigen Menge an potentiellen Standorten für Bluetooth-Transmitter in den Städten ein interessanter Partner (oder wie bei Wall selbst Anbieter), schüren aber auch die Befürchtungen vor “Bluespamming”. Bisher haben wir es bei Bluetooth Marketing fast immer mit 1-5 Transmittern pro Event zu tun gehabt.
Mit Infrarot war da Accinity schon weiter: für den Otto-Versand wurden 2400 CityLight Poster mit dem MarketEye ausgestattet.
Der Grundtenor in den Blogs zu der Ströer/BCN Geschichte ist ein deutlich negativer, insbesondere im Hinblick auf die Spamgefahr:
Ich persönlich betreibe mein Handy in er Regel mit aktiviertem aber unsichtbarem Bluetooth, möchte mich aber in keinem Fall gegen die vermeintlichen Liebesbekundungen irgendeiner devot säuselnden Litfaßsäule wehren müssen und das vor allem nicht alle 5 Meter. Alleine der Gedanke daran ständig dankend ablehnen zu müssen, weckt in mir schon die Liebe zum Vandalismus.
in Das dicke En.de? oder auch
Telefonwerbung ohne Einverständnis ist in DE unzulässig, wie schaut’s dann mit sowas aus? Ist im Prinzip nichts anderes, man wird zwar gefragt, aber bereits zu dem Zeitpunkt belästigt (”Unzumutbare Belästigung”). Und überhaupt… Sicherheitstechnisch…
Leid tun mir die Leute, die ein Headset benutzen “müssen” und dazu natürlich Bluetooth angeschaltet bleiben sollte… Tja, die negativen Seiten des Luxus :D
Einige Kommentare zum ursprünglichen Golem Artikel gehen in dieselbe Richtung:
Ich will auf keinen Fall solche Werbung auf meinem Handy sehen.
Irgendwann bau ich mir ne Blockhütte im Wald.
Sowie der putzige Versuch von offensichtlich interessierter Seite dagegenzuhalten:
Der Anbieter scheint hier schon etwas weiter gedacht zu haben:
[www.beamzone.net]
Hier stehen imho auch ganz gute Erklärungen zu den ganzen Themen Bluetooth-Spam, Bluetooth-Security, etc.
Zum Teil kann ich die Befürchtungen nachvollziehen:
- Ein dauerhaft installiertes Netz von Transmittern ermöglicht theoretisch Bewegungsprofile (anhand der Bluetooth-Adresse). Die Telefonnummer kann man nicht ohne weiteres über Bluetooth auslesen, wohl aber den Gerätetyp über Blueprinting, soweit vorhanden.
- Größere Netze von Bluetooth Transmittern, die nicht den im Bluetooth Marketing Manifest genannten Punkten entsprechen, können die genannten Spameffekte erzeugen, wie dauerndes Nachfragen über 100m und bei jedem Transmitter von Neuem.
Es herrschen aber auch offensichtlich Missverständnisse:
- Mit Bluetooth “aus” oder auf “unsichtbar” kann man grundsätzlich nicht von nicht-gepairten Geräten kontaktiert werden. Fürs Headset reicht “unsichtbar”. Auf einigen Mobiltelefonen sind Schwachstellen mit bestimmten Firmwareversionen nachgewiesen, die böse Leute ausnutzen könnten.
Mich würde interessieren, ob die Ströer/Beamzone Bluetooth Transmitter miteinander vernetzt sind, denn nur dann kann von einem Transmitter zum anderen gemeldet werden, dass ein Nutzer einen bestimmten Inhalt bereits erhalten oder den Empfang abgelehnt hat. Dies müsste sichergestellt sein.
Falls sich Anbieter an bestimmte Regeln halten, sollte die Spamgefahr äußerst gering sein. Sicher ist, dass noch nicht alle Anbieter von Bluetooth Marketing diese Regeln einhalten.
Beängstigender finde ich die oben bereits erwähnte Infrarot Variante von Accinity & Deutsche Post. Hier passiert folgendes:
- Man hält sein Infrarot Mobiltelefon an das Plakat, dieses initiiert den Versand einer SMS über das Telefon des Nutzers (AT-Befehl), ein SMS-Gateway sendet einen WAP-Push Link, über den ein Inhalt runtergeladen werden kann.
- Der Nutzer gibt dabei seine Telefonnummer preis (SMS Spam, Bewegungsprofil mit pers. Daten usw. sind möglich).
- Die SMS und der Download kosten den Nutzer Geld. Gerade bei der ersten SMS ist dem Nutzer das nicht unbedingt klar, denn die SMS wird “laut- und spurlos” versandt.

(Bild von http://avoidthemeadows.twoday.net/stories/2563765/)
Ok, ein Gedankenspiel: Ich wohne in Berlin, Hauptstadt der Mega/Giga/Monsterposter, T-Com Fernsehturm und Brandenburger Tor, Samsung Denkmälern, Schauplatz erbitterter Fehden von Außenwerbern und diverser vollverspammter (plakatierter) Gebäude. Angenommen alle diese Plakate sind weg und werden durch Bluetooth Transmitter ersetzt, die gutmütig nur in max 50cm Entfernung funktionieren, voll vernetzt sind usw. Das wäre einfach traumhaft.

Im allgemeinen sind Bluetooth Transmitter, bestehend aus 



