Wie die PC-World berichtet, hat sich die Bluetooth SIG entschlossen, Bluetooth über WLAN zu forcieren, um kurzfristig höhere Übertragungsgeschwindigkeiten insbesondere auf Mobiltelefonen zu ermöglichen. Dieser Schritt geschah allerdings nicht ganz freiwillig. Eigentlich war UWB als Übertragungstechnologie eingeplant, doch anscheinend gibt es hier Schwierigkeiten, die die Telefonhersteller nervös werden lassen:
“We have got to be realistic,” said John Barr, chairman of the Bluetooth Special Interest Group (SIG) board of directors, and director of standards realization at Motorola. “Ultra-wideband silicon vendors are not delivering anything close to what they have promised.”
Ist UWB damit komplett aus dem Rennen? Nein, nur aufgeschoben:
“We want to use the radio that is already there,” agreed Patric Lind, senior specialist in local connectivity at Sony Ericsson. “We want to use Wi-Fi first, but we aren’t excluding UWB. It takes a while before a technology works properly.”
Ich glaube nicht, dass dieser Idee eine glorreiche Zukunft beschienen ist, es klingt mehr nach Drohgebärde, um die Produzenten von UWB Chips anzutreiben. Grundsätzlich ist es zwar denkbar, dass Bluetooth als Kommunikationsprotokoll über WLAN als Übertragungstechnologie gestülpt wird (“Regenschirmstrategie”) . Andererseits sind beide Technologien zumindest auf Mobiltelefonen in wichtigen Punkten komplementär.
Bluetooth Profile erleichtern vor allem AdHoc-Verbindungen, das Haupteinsatzgebiet von WLAN ist der (dauerhaftere) Zugang zum Internet
Bluetooth verbraucht viel weniger Strom und strahlt geringer als WLAN
Bluetooth benötigt praktisch keine Konfiguration, WLAN einrichten am Mobiltelefon ist komplizierter
Die Sicherheitskonzepte unterscheiden sich in wesentlichen Punkten
UWB liegt da viel näher an den Kernanwendungsgebieten von Bluetooth auf Mobilgeräten und scheint die “natürlichere” Variante. Wie genau sich SIG das Zusammenwachsen beider Technologien vorstellt, wird sich hoffentlich in Bälde zeigen.
Es steht mittlerweile außer Frage, dass Bluetooth-Kampagnen als Spam wahrgenommen werden können. Die Frage aber, wie und wann Bluetooth Marketing rechtlich sicher betrieben werden kann, harrte bis jetzt einer qualifizierten Antwort. In der aktuellen Ausgabe (Oktober 2007) der Zeitschrift “Kommunikation & Recht” (Verlag Recht und Wirtschaft, Frankfurt a.M.) wird das Thema nun erstmals von den Juristen Dr. Thomas Sassenberg und Dr. Ernst Georg Berger grundlegend behandelt (s. dazu auch Mobile Zeitgeist) . In ihrem Artikel “Rechtliche Zulässigkeit von Werbung via Bluetooth” kommen sie u.a. zu folgenden Ergebnissen (Anm. von Lokalfunk innerhalb []):
Eine unzumutbare Belästigung stellt bereits die Anfrage dar, ob der angebotene Inhalt vom [Bluetooth -] HotSpot heruntergeladen werden soll. Dadurch, dass auf dem Handy eine Mitteilung (”Ein Download liegt für Sie bereit”) erscheint, findet bereits ein Eingriff in die Privatsphäre statt.
und
Eine konkludente [aus dem Zusammenhang erschließbare] Einwilligung kann derzeit noch nicht darin gesehen werden, dass das Handy für den Hotspot sowohl sichtbar als auch aktiv ist.
Es ergibt sich: Download Nachricht und aktiv-/sichtbares Bluetooth stellen zur Zeit keine ausreichende Einwilligung (OptIn) dar!
Diese Frage ist zentral für die Bewertung des OBEX-Push Verfahrens an sich, mit dem die überwiegende Anzahl der Bluetooth Marketing Kampagnen bisher durchgeführt wurden.
Halten sich die Anbieter von Bluetooth Marketing Kampagnen an bestimmte Grundsätze, so gibt es aber Möglichkeiten, Bluetooth Marketing auf rechtlich sicherem Boden durchzuführen, eine wichtige ist laut den Autoren das “TouchIn” (vgl. auch Bluetooth Marketing Manifest und TouchOptIn):
Als ausreichend im Rahmen der vorherigen Einwilligung ist jedoch das sog. “TouchIn” anzusehen. Dies bedeutet, dass ein Nutzer nur dann kontaktiert wird, wenn er sein Mobiltelefon nahe an einen bestimmten Punkt hält, wobei hier häufig ein Abstand von 50cm gewählt wird.
Es gibt Neuigkeiten zum lustig-traurigen Dauerthema: “Mobiltelefone mal anders nutzen”. AreaMobile berichtete am 5.10. über eine Stellungnahme des Bundesinnenministeriums:
Von keiner der Strafverfolgungsbehörden des Bundes werden Handys als Abhörgeräte genutzt.
[…] über die Verwendung der Technik durch die Geheimdienste könne man nur das zuständige parlamentarische Kontrollgremium informieren – unter Ausschluss der Öffentlichkeit selbstverständlich.
Interessanter der Tipp des hochgeschätzten Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), wie man sich gegen die Fremdbestimmung seiner Kommunikationsmittel schützen könne:
Demnach sei die sicherste Art vor Missbrauch, das Mobiltelefon zu Hause zu lassen
Wie heise.de gestern meldete, versucht sich Vodafone am Jugendschutz, auf verblüffende Weise:
Mobilnetzbetreiber Vodafone D2 trommelt für den Jugendschutz auf Handys, die sich in der Hand von Kindern und Jugendlichen befinden. Die Deutschland-Chefs von Vodafone und des Handy-Herstellers Samsung stellten laut dpa eine spezielle Version des Samsung-Handys D900i am Donnerstag in einer Düsseldorfer Schule vor, das für die Abschaltung der werksseitigen Bluetooth-Funktion vorbereitet ist. Auf diese Weise wollen die Firmenbosse der Verbreitung von jugendgefährdenden Bildern und Videos Einhalt gebieten, die Handys wie das 900i in hoher Qualität aufnehmen können.
Da fällt es schwer, den schwachsinnigsten Teil dieser Idee zu finden, vielleicht: Warum ein Mobiltelefon mit Bluetooth kaufen, wenn es dann deaktiviert wird? Warum eines mit Kamera? Warum nicht seine Kinder so erziehen, dass sie lieber Fussball spielen? Warum sponsert Vodafone keine Organisation, die sich um Opfer kümmert oder baut ein Gerät für schwer erziehbare Jugendliche, am Besten aus weichem Plastik, damit es nicht als Waffe benutzt werden kann? Warum der Zugang zum Internet nicht auch gleich abgeschaltet wird, über den genauso widerwärtiges gefunkt werden kann, bleibt ein absolutes Rätsel.
Abschließend sei eine ungefähre Schätzung der Wirksamkeit in Bezug auf Verhinderung von Gewalt und deren Verbreitung erlaubt: 0
Wie die Bluetooth SIG meldete, wurde die Spezifikation für die neue Version 2.1+EDR angenommen. Die ersten 2.1 Bluetooth-Geräte sollen bereits Ende 2007 im Handel erhältlich sein.
Zwei wesentliche Neuerungen bringt der neue Standard:
Die Kopplung (Pairing) zweier Bluetooth Geräte soll vereinfacht werden. Es darf vermutet werden, dass das bisherige System von vielen Nutzern nicht so recht durchschaut wurde und nicht intuitiv genug ist. Dem soll auf verschiedene Arten abgeholfen werden:
Ein neuer Kopplungsmodus, bei dem gar keine PIN Eingabe mehr nötig ist, gedacht z.B. um sein neues Headset schneller mit dem Telefon zu koppeln.
Für andere, sicherheitskritischere Anwendungen gibt es das PIN-basierte Verfahren, allerdings mit anderem Wertebereich: 6 Stellen numerisch, statt bis zu 16 stellig alphanummerisch.
Mit Version 2.1 ist bereits das schnelle Koppeln über NFC (Near Field Communication, basierend auf RFID-Chips) spezifiziert. Hiermit reicht ein kurzes Aneinanderhalten der zu koppelnden Geräte aus. Allerdings unterstützen bisher erst sehr sehr wenige Mobiltelefone NFC.
Der Stromverbrauch soll sich mit Version 2.1 stark reduzieren und die Batterielaufzeit je nach Anwendung um max. den Faktor 5 erhöhen.
Michael Foley, Vorsitzender der Bluetooth SIG, erklärt im folgenden Video mehr zu der neuen Version:
Mit einiger Regelmäßigkeit warnen Sicherheitsspezialisten der Anitvirus Branche vor den existierenden oder zu erwartenden Gefahren von Viren auf Mobiletelefonen. Manchmal sind bereits 5% aller MMS virenverseucht und damit die Hauptvirenquelle (lt. Fortinet, via teltarif, Jan. 2006) oder es sind vor allem Bluetooth Smartphones, die besonders gefährdet sein sollen, wie auf SearchSecurity zu lesen:
Existierende Handyschädlinge verbreiten sich hauptsächlich über die Drahtlosschnittstelle und nur selten per MMS oder durch infizierte Speicherkarten.
Eigentlich geht es im Artikel aber um das Apple iPhone und die Erwartung, dass es aufgrund von Softwarefehlern anfällig sein müsste für Angreifer. Diese Aussage entbehrt immerhin durch die Erfahrungen mit Windows und frühen Bluetooth Implementierungen nicht einer gewissen Glaubwürdigkeit. Im Übrigen suchen die Sicherheitsunternehmen den Markt der mobilen Geräte für ihre Software zu erobern, da liest es sich schlecht, dass es (noch) keine wirkliche Notwendigkeit für deren Produkte zu geben scheint.
Im Artikel heisst es weiter:
Außerdem müssen Anwender die Bluetooth-basierten Schadprogramme willentlich auf ihr Handy kopieren lassen und dann auch noch die Installation erlauben. Momentan ist die massenhafte Verbreitung also eher unwahrscheinlich.
Nun, wohl eher nicht, aber natürlich steht das mal wieder im Raum, regelmässig und regelmässig unsinnig, am 15.7.07 zum Beispiel in der Online-Welt:
Über drahtlose Schnittstellen wie Bluetooth oder W-Lan können Polizei-Experten Handys von Verdächtigen umprogrammieren. Auch Trojaner werden mit Klingeltönen eingeschleust.
Also Vorsicht bei folgender Meldung, auch wenn man den Klingelton unbedingt haben will (”lalülala”):
Klar, bei einigen deutlich älteren Modellen oder nicht gepairten Freisprecheinrichtungen ist auch eine missbräuchliche Nutzung per Bluetooth möglich, sehr viel wahrscheinlicher ist aber einfach die Einschleusung eines Trojaners per SMS-Attacke gemeint (s. Bericht bei gulli).
Per SMS macht hier auch mehr Sinn. Es wäre schon lustig zu beobachten, wie die Polizei in 10m Abstand einem Mafiosi einen Klingelton mit Trojaner andrehen will.
In seinem Blog kritisiert Michael Foley, Vorsitzender der Bluetooth SIG, das Fehlen des A2DP (Advanced Audio Distribution Profile). Dieses Profil ist zuständig für die Übertragung von Hifi-Stereo Audio Daten zu Bluetooth Kopfhörern, -Headsets, -Boxen usw. Ein Kommentator des Artikels ergänzt, dass wohl auch OBEX (einfaches Senden/Empfangen von Dateien) und HID (Keyboard etc.) fehlen.
Schade, dass Apple hier seine Konsumenten feindliche Politik fortsetzt, Standards gar nicht oder nur unvollständig zu unterstützen, das ist insbesondere deshalb ärgerlich, weil das iPhone ja ansonsten sehr gelungen scheint. M. Foley vermutet, das Apple wohl ein eigenes Format für seine eigenen kabellosen Produkte lancieren will:
Apple may be under the impression that they can create an entire ecosystem of wireless peripherals for the iPhone and iPod in which they control by licensing the proprietary interface into the devices. (This approach is similar to what Microsoft did with the Xbox 360, but exactly opposite what Sony did with the PS3.)
Wie golem meldet, sollen mit dem von aircable vorgestellten Bluetooth Sender Host XR sehr große Distanzen überbrückbar sein:
Das “AIRcable Host XR” ist mit einer Omni-direktionalen Antenne (9 dB(i)) ausgestattet und soll 2 km weit reichen. Eine mit 18 dB(i) verstärkende Antenne soll Distanzen von bis zu 10 Kilometern überbrücken können. Mit einer Patch-Antenne, deren Aufbau allerdings wegen der notwendigen Präzision von Fachpersonal durchgeführt werden muss, sollen auch Distanzen von 30 km zu erreichen sein.
Kostenpunkt für die kleinste Variante: 130$.
Mich würde interessieren, ob das lizenzrechtlich in Deutschland zulässig ist. Ansonsten bleibt natürlich der günstige Antenneneigenbau vom Hobby Fachpersonal.
Die Beta Testphase hat offensichtlich begonnen, allerdings ist es ein geschlossener oder kontrollierter Test, man benötigt eine Einladung.
Ein launiges Interview von zwei aka-aki Machern findet sich beim Elektrischen Reporter, dort wird das Konzept genauer erklärt (Danke für den Tipp, André!).
Das Ganze funktioniert anders, als ich damals gedacht hatte. Die Grundidee ist: Eine Java Anwendung auf dem Telefon scannt die Umgebung nach Bluetooth Geräten und merkt sich die Bluetooth Adresse (die ist potentiell eindeutig, ähnlich der MAC-Adresse der Netzwerkkarte). Dann wird über Mobilfunk Kontakt zum aka-aki Server aufgenommen, der wiederum eventuell gespeicherte Profildaten zu den entsprechenden Bluetooth Adressen zurücksendet. Diese können dann hübsch auf dem Telefon angezeigt werden.
Ich finde das ist ein durchaus interessanter Ansatz. Wie es im Interview deutlich wird, soll es mehr um eine Erinnerungsfunktion (wer ist das? was macht der/die? La Fee Hörer/in? Aaaarg!) und eine Motivation für reale Kontaktaufnahme gehen, als primär um (noch) einen Bluetooth Chat, was im Übrigen sowieso eine Anwendung mit sehr begrenztem Nutzen ist.
Die Mobilfunk Komponente löst einige technische Probleme, die man dann bekommt, wenn nicht nur die Adresse des entfernten Gerätes herausgefunden werden soll, sondern eine direkte Verbindung oder gar Pairing über Bluetooth vonnöten ist. Auch erweitert sich der Nutzerkreis, denn auf dem anderen Gerät muss nicht unbedingt die aka-aki Anwendung laufen, damit ich das Profil des Besitzers erhalten kann, da reicht, wenn dessen Bluetooth an und sichtbar geschaltet ist. Die Datentarife bewegen sich zur Zeit deutlich nach unten, sodass das mittelfristig auch kein großes Problem sein sollte.
Im Interview war auch noch die Rede von einem Portaleigenen Nachrichten Dienst ähnlich SMS (Gebühr?) und dem “Stickerkonzept” (aka kleine Fotos).
Die Profile werden zunächst per Internet auf dem Server angelegt und wohl auch dort am ehesten gepflegt. Die Verzahnung von mobil und online Community wird interessant zu beobachten sein, falls es den Betreibern gelingt, genug Leute auf die Plattform zu bringen. Das ist online schon schwer genug, die Leute dazu zu bewegen etwas auf dem Telefon zu installieren ungleich schwieriger. Im schlimmsten Fall wird es als weitere Online-Community mit ungenutztem mobilem Anhängsel enden.
Über das Online-Portal fallen vielleicht auch ein paar Werbeeinnahmen ab, denn bisher ist ein Geschäftsmodell nicht klar ersichtlich, denkbar wäre auch Werbung innerhalb der Java-Anwendung. Wie bei Social Communties üblich, geben die Leute ja oft unglaublich detailliert Auskunft über ihre Interessen, Vorlieben usw. Dies ermöglicht sehr zielgerichtete Werbung und soll angeblich auch schon mal als eigentlicher Zweck des Web 2.0 genannt worden sein. Ein Blick in zukünftige AGBs von aka-aki oder der Adapter GbR könnte da erste Hinweise geben, wohin die Datenreise gehen soll. Irgendein Geschäftsmodell muss es geben, denn 5 GbR Gesellschafter + Entwickler + Server wollen bezahlt werden.
Egal, noch ist alles kosten- und werbefrei und schön, vielleicht lädt mich ja jemand zum Betatest ein.